Seminar Schweißhundführer für Hundeführer,
die ihren Hund auf Schweiß führen wollen
Seminar der Gruppe Olfen-Sandfort vom 22. bis 25. März 2007
mit Berufsjäger und Wildmeister Hans-Joachim Borngräber
Wildmeister Borngräber erklärt den Fährtenschuh, Foto: DTK-Gruppe Olfen-Sandfort
Ein jeder weiß, dass die Schweißarbeit zu den schwierigsten Aufgaben des Jagdhundes zählt. Sie setzt dessen gründliche Ausbildung, aber insbesondere die seines Führers voraus. Zudem ist sie ein wichtiges Gebot der Waidgerechtigkeit und eine zentrale Forderung des Tierschutzes.
Die tierschutzgerechte Nachsuche ist auch oberstes Gebot der Gruppe Olfen-Sandfort im DTK 1888 e.V. bei der jagdlichen Ausbildung ihrer Teckel.
Gleichwohl wir eine aktive Gruppe sind, insbesondere im Hinblick auf unsere Gebrauchsprüfungen, stellen wir uns aber immer wieder selbstkritisch die Frage, ob wir alles richtig machen.
Aufgrund der Teilnahme zweier Mitglieder unserer Gruppe an dem Seminar „ Hundeführer, die ihren Hund auf Schweiß führen wollen“ auf dem Jägerlehrhof Springe in 2006 und den damit einhergehenden prägnanten Erfahrungen und Erlebnissen, die selbstverständlich an alle Interessierten weitergegeben wurden, bemühten wir uns, Berufsjäger und Wildmeister Herrn Hans-Joachim Borngräber als Referenten zu gewinnen. Herr Borngräber führt seit 45 Jahren Jagdhunde. Seine Schweißhunde sind weltweit zum Einsatz gekommen. Darüber hinaus hat er Schweißhundstationen in Bulgarien, Rumänien und Schottland aufgebaut. Herr Borngräber hat den Jägerlehrhof Springe 19 Jahre lang geleitet.
Im März dieses Jahres war es dann soweit. Herr Borngräber hatte zugesagt, zu uns nach Olfen zu kommen. Die Begeisterung in unserer Gruppe war groß, da in der Vergangenheit das viertägige Seminar nur auf dem Jägerlehrhof absolviert werden konnte.
Geboten wurde uns 16 Teilnehmern – die Anzahl war aus organisatorischen Gründen begrenzt – ein anspruchsvoller und strammer Unterrichtsplan, welcher sowohl die Theorie als auch die Praxis umfasste.
Der Lehrgang begann am Donnerstagmorgen mit der theoretischen Einweisung in die Schweißarbeit, wobei hier auch zu beachtende gesetzliche Bestimmungen sowie der Versicherungsschutz des Schweißhundführers nicht zu kurz kamen. Breiten Raum nahm das Thema „ Der Jagdgebrauchshund und seine Verwendung bei der Nachsuche“ ein. Hier zeigte der Referent auf, dass grundsätzlich jeder gerecht eingearbeitete Hund, gleich welcher Rasse, bis zu einem gewissen Grad nachsuchen kann. Voraussetzung ist jedoch, dass der Führer gut ausgebildet ist und erkennt, ob er die Arbeit mit seinem Hund leisten kann oder ob ein Spezialist geholt werden muss.
Im weiteren Verlauf des Vormittags vermittelte Herr Borngräber uns Grundkenntnisse des Schweißhundführers über Ausrüstung, Anschüsse, Schweißarten, Pirschzeichen sowie jagdliches Brauchtum. Sodann erläuterte er, wie die Einarbeitung des Jagdhundes- vom Junghund angefangen – mit dem Fährtenschuh erfolgen sollte.
Nachdem uns Herr Borngräber Grundsätzliches über das Legen und Auszeichnen von künstlichen Schweißfährten und Schleppen mitgeteilt hatte, ging es in das Gelände. Hier wurden von uns Schleppen selbst gelegt, die anschließend mit unseren Hunden gearbeitet wurden.
Der Freitag startete mit allgemeiner Theorie um und über die Schweißarbeit. Äußerst lehrreich für uns alle gestaltete sich das Arbeiten einer von Herrn Borngräber mit dem Fährtenschuh getretenen Übernachtfährte durch einen Lehrgangsteilnehmer mit seinem Hund. Wir übrigen liefen parallel zur Fährte, während Herr Borngräber die Arbeit unter Aufzeigen von Fehlern, insbesondere der des Hundeführers, erläuterte. Nur am Rande sei hier angemerkt, dass unser Referent bei seiner Beurteilung kein Blatt vor den Mund nahm.
Den Abschluss des Freitags bildete eine praktische Unterweisung im Revier. Unter Einsatz des Fährtenschuhs legten die Hundeführer ihre Schweißfährten, welche nach kurzer Stehzeit unter dem „Argusauge“ Herrn Borngräbers gearbeitet wurden. Es folgte eine Besprechung der einzelnen Arbeiten sowie eine knallharte Korrektur der Führer.
Samstagmorgen ging es zunächst ins Gelände. Hier wurde uns anhand einer vorbereiteten und von den Gespannen zu durchlaufenden Verweiserbahn gezeigt, wie der Hund gezielt auf das Verweisen von Schalenwild einzuarbeiten ist.
Nachdem diejenigen, die einen Hund bei Fuß hatten, nachmittags – jeder für sich – seine Fährte mit dem Fährtenschuh getreten hatte, erfolgte im Seminarraum eine ausführliche Einweisung in die Thematik „ Anschuss“ sowie „Anatomie des Wildes“.
Der Samstag endete mit einem gemütlichen Beisammensein in unserem Klubhaus, wobei Herr Borngräber nicht müde wurde, sämtlichen Fragen aus unserer Runde „Rede und Antwort“ zu stehen.
Höhepunkt für uns alle war jedoch der Sonntagmorgen. Die von uns am Vortag gelegten Fährten sollten mit den Hunden unter Prüfungsbedingungen gearbeitet und gerichtet werden. Anspannung war bei jedem Hundeführer festzustellen.
Wann hat man schon solch einen erfahrenen Schweißhundführer hinter sich und seinem Hund? Aber alles wurde gut!
Im Rahmen der Manöverkritik durch Herrn Borngräber schnitten alle Hunde recht gut ab. Allerdings zeigte unser Referent uns Hundeführern klar und deutlich unsere Fehler auf. Insbesondere beanstandete Herr Borngräber, dass manch ein Führer mit zu monotoner Stimme Kontakt zu seinem Hund hält, manch einer mit Lob des Hundes zum richtigen Zeitpunkt spart, manch einer aber auch seinem Hund nicht genügend Riemen gibt.
Das Seminar endete, viel zu schnell, mit der Übergabe der Teilnahmeurkunden sowie der Verabschiedung durch Herrn Borngräber, welcher sich für die Einladung herzlich bedankte.
Fazit der Veranstaltung für uns ist, dass wir alle – ohne Ausnahme – unsere Defizite als Hundeführer sehr wohl erkannt haben und uns im sog. „Gewissensregal“ unseres Referenten richtig einstufen können. Dieses nicht allein aufgrund des anspruchvollen und umfangreichen Seminarinhalts, sondern insbesondere aufgrund der bayrisch humorvollen, abwechslungsreichen und unmissverständlichen Vortragsweise des Herrn Borngräber, welche uns alle in seinen Bann gezogen hat und ständige Aufmerksamkeit zollte.
Wir alle sind nach Hause gegangen mit der Erkenntnis, dass ein Hund nur so gut sein kann, wie sein Führer und wie ihm Arbeit geboten wird. Wir haben gelernt, dass es ein langer Weg ist, ein guter Hundeführer zu werden, der dem Wild gerecht wird.
Mitgenommen haben wir auch, dass wir als Hundeführer gefordert sind. Für unsere Gruppe steht fest, dass es ein "Muss" ist, weiterführende Seminare in diesem Sinne zu durchlaufen.
Wir schätzen uns glücklich, dass Herr Borngräber bereits am Tage seiner Abreise signalisiert hat, uns hierbei zu unterstützen.
Cornelia Linnert
- Obfrau für Öffentlichkeitsarbeit