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DTK-Gruppe Olfen-Sandfort 2008

Bericht über das Schweiß-Seminar
der DTK-Gruppe Olfen-Sandfort 2008

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der DTK-Gruppe Olfen-Sandfort.

Hundeführerlehrgang

Ein neuer Schritt in die richtige Richtung

Hundeführerlehrgang auf Schweiß
der DTK-Gruppe Olfen-Sandfort vom 04. bis 06. April 2008
mit Wildmeister und Berufsjäger Hans-Joachim Borngräber

Endlich war es wieder so weit, dass Wildmeister und Berufsjäger H. J. Borngräber zu uns kommen sollte. Nachdem wir im März letzten Jahres Herrn Borngräber erstmalig als Referenten für das Seminar I "Hundeführer, die ihren Hund auf Schweiß führen wollen" gewinnen konnten, wurde die "Staffel“ im Herbst 2007 mit einem Pirschzeichenseminar fortgesetzt und nunmehr mit dem Seminar II "Hundeführer, die ihren Hund auf Schweiß führen wollen" weitergeführt.

Seminarleiter Bernhard Linnert freute sich, insgesamt 16 Teilnehmer am Freitagmittag begrüßen zu können, wobei nicht nur gruppeneigene Mitglieder, sondern auch Mitglieder aus Hagen, Iserlohn, Steinfurt sowie ein niederländischer Hundeführer keine Kosten und Mühen gescheut hatten, den Weg nach Olfen zu finden. Geboten wurde uns wieder ein anspruchsvoller und strammer Unterrichtsplan, welcher sich dieses Mal vordergründig mit der Praxis befasste.

Der Lehrgang begann am Freitag, 13:00 Uhr. Anhand eines Stück Schwarzwildes zeigte uns Herr Borngräber auf, dass für den Hundeführer eine umfangreiche Kenntnis der Anatomie des Wildes zwingend erforderlich ist. Ohne eine solche ist des dem Hundeführer nicht möglich festzustellen, welche Wirkung die Geschosse auf den Wildkörper haben mit der Folge, dass gravierende Fehler bei der Anschussuntersuchung unterlaufen. Darüber hinaus ist vorprogrammiert, dass bei fehlender/mangelhafter Wildtieranatomie die Verletzungen krank geschossenen Wildes nicht erkannt oder falsch eingeschätzt werden.

Der Hundeführer, der keinerlei oder nur leidliche Kenntnis von der Anatomie des Wildes hat, wird nicht in der Lage sein, die Situation am Anschuss richtig zu erfassen, mithin zu analysieren, und zu diagnostizieren. Ganz davon abgesehen, dass körperliche Fitness des Führers erforderlich ist, muss dieser beurteilen können, ob er mit seinem Hund die Nachsuchenarbeit überhaupt leisten kann. So versteht es sich von selbst, dass wir als Teckelführer beispielsweise ein laufkrank geschossenes Stück Schalenwild nicht nachsuchen sollten.

Herr Borngräber sezierte das Stück Schwarzwild in vollendester Form, ging u.a. auf die Zahnformel, die unterschiedlichsten Knochenarten und Organe mit ihren Verflechtungen und ihren Zusammenhängen ein und zeigte Wildkrankheiten auf. Offen und deutlich bemängelte er die erheblichen Defizite der Hundeführer in der Wildtieranatomie. Auch wir konnten uns anschließend, ohne Ausnahme, wieder in das sog. "Gewissensregal" des Referenten einordnen.

Im Laufe des Nachmittags gab Herr Borngräber unmissverständlich zu verstehen, dass es bei uns sehr viele gute Schweißhunde, aber wenig gute Nachsuchengespanne gibt. Das Problem liegt am anderen Ende der Leine. Bewertet auf Prüfungen werden nur die Hunde, nicht aber ihre Führer. Ein Schritt in die richtige Richtung ist die Ausbildung der Hundeführer. Diese kann schon in der Jungjägerausbildung ansetzen und in den Hegeringen, Kreisjägerschaften pp., fortgeführt werden. Borngräber fordert aus diesem Grund eine Art Führerschein sowie eine ständige Fortbildung. Nur wenn beide, Führer und Hund, gut ausgebildet sind, kann krankgeschossenes Wild im Sinne des Tierschutzes und der Waidgerechtigkeit schnell zur Strecke gebracht werden. Denn das Wild darf nie die Zeche für Inkompetenz zahlen. Die Ausführungen von Herrn Borngräber am Freitag haben uns alle sehr nachdenklich gemacht, aber auch jedem einzelnen vor Augen geführt, welche Defizite bei uns vorliegen.

Für den Samstagvormittag hatte unser Referent eine am Tag zuvor mit dem Fährtenschuh getretene 1.000 m Fährte vorgesehen. Da wir die hohen Ansprüche an diese von den vorhergehenden Seminaren sowohl am Jägerlehrhof in Springe als auch bei uns in Olfen kannten, war es im Vorfeld nicht leicht, ein entsprechendes Waldgebiet zu finden. Die frühe Vorbereitung belohnte uns mit einer interessanten Waldparzelle. Diese unterteilte sich in jungen Laubwald und einer wieder aufgeforsteten Windwurffläche, die ehemals einen alten Fichtenbestand beherbergte. Damit hatten wir eine Fläche mit völlig unterschiedlichen Bodenbedeckungen und wechselndem Makroklima. Zusätzlich bot uns dieses große Waldstück zwei Entwässerungsgräben und im Laubwald einige Brombeerinseln. Die Windwurffläche war zwar aufgeforstet, aber nur äußerst grob geräumt und damit für einen gradlinigen Fährtenverlauf völlig ungeeignet. Mit anderen Worten: Das wurde schwer für Hund und Führer.

Eine Teilnehmerin des Seminars hatte sich nach gutem Zureden unseres Seminarleiters bereit erklärt, mit ihrem Teckelrüden Carlos die Fährte auszugehen. Blass und aufgeregt wartete sie auf die Einweisung des Referenten am Anschuss. Der Rest der Corona ging parallel zur Fährte. Während des Fährtenverlaufs zeigte Borngräber immer wieder Situationen an Bachläufen, Forstwegen, Brombeerinseln und anderen natürlichen Hindernissen im Gelände auf, die sich in Feld und Flur bei Nachsuchen ergeben können. Er demonstrierte Techniken wie z. B. das Zurückgreifen, die Vorsuche, das Umschlagen von kleinen Dickungen. Die Hundeführerin und Carlos waren zu bewundern. Borngräber ließ das Gespann immer wieder anhalten, um Fehler, insbesondere die der Führerin, aufzuzeigen oder um die oben genannten Situationen der folgenden Corona näher zu erläutern.

Für den Nachmittag hatte Herr Borngräber eine Fährte mit einer Länge von ca. 400 m, zwei weitere mit einer Länge von jeweils ca. 200 m gelegt. Die Standzeit betrug in etwa drei Stunden. Alle drei Fährten waren selbstverständlich von Herrn Borngräber mit dem Fährtenschuh getreten. Die 400 m Fährte hatte ein Pudelpointer nebst Führer zu absolvieren. Der Verlauf der Fährte führte das Gespann ohne besondere Schwierigkeiten durch einen Buchenhochwald, um dann auf einen Forstweg zu stoßen, der ziemlich stark befahren war. Weder Hund noch Führer wussten hier weiter. Der Fährtenverlauf schien auf keinen Fall gerade über den Weg oder wieder zurück zu führen. Wo war das angeschossene Wild abgeblieben? Ratlosigkeit zeigte sich bei allen Teilnehmern. Nach einigen Hinweisen von unserem Referenten wurde uns klar, dass die Fährte geradewegs in der Fahrspur der Forststraße verlief. Nun musste nur noch die Frage geklärt werden, in welche Richtung? Hier hieß es, den Hund zunächst nach rechts, sodann nach links suchen zu lassen. Irgendwo musste die Fährte doch den Weg wieder verlassen. Diesen Übergang hatten Hund und Führer zu finden. Nach einigem "Hin und Her" wurde das Endstück abseits des Forstweges endlich gefunden.

Es folgten die beiden 200 m Fährten im offenen Gelände. Auf diesen traten gegeneinander die junge Teckeline Motte sowie der erfahrene Zwergteckelrüde Max gegeneinander an. Was wir alle nicht wussten war, dass die Fährte des jungen, unerfahrenen Hundes mit dem Fährtenschuh getreten war, die des erfahrenen mit Gummistiefeln, wobei der Schweiß hier mit weit ausgestrecktem Arm und in gleich geringer Menge wie beim Fährtenschuh getropft worden war.

Nachdem die Hunde die Fährten gearbeitet hatten, wurde auch bei den noch übrig gebliebenen Zweiflern die letzte Unsicherheit aus dem Weg geräumt, dass "Schalenwild nicht fliegen kann" und welchen Vorteil die Arbeit mit dem Fährtenschuh, welche die natürliche Krankfährte des Wildes simuliert, mit sich bringt. Während der junge Hund sicher über die Fährtenabdrücke zum Ziel gelangte, tat sich der erfahrene Max unheimlich schwer. Über kurze Strecken arbeitete er hervorragend, fing dann an zu faseln und kam immer wieder von der Fährte ab, wenn er über eine längere Distanz keinen Schweiß fand. Seine Erfahrung und die seines Führers brachten die beiden letztendlich aber doch zum Endstück.

Fazit ist, dass Schweiß zwar eine Komponente der Fährte ist, der weit wichtigere Teil aber der Schalenabdruck, den das krankgeschossene Stück hinterlässt. Sämtliche Teilnehmer waren von den Demonstrationen des Tages sehr beeindruckt, aber auch von der Art und Weise der Erläuterungen und Erklärungen des Herrn Borngräbers begeistert.

Bei einem gemütlichen Beisammensein am Abend mit gutem Essen und kühlem Nass in entspannter Atmosphäre in unserem Teckelheim wurde Herr Borngräber, der mit Fragen nahezu überfallen wurde, nicht müde, diese zu beantworten.

Sonntagmorgen gab es dann eine "Premiere“. Erstmals demonstrierte Herr Borngräber, und dieses in unserer Gruppe, die Einstellung von Junghunden auf die Schweißfährte. Hierzu hatte er drei ca. 100 m lange Fährten, selbstverständlich mit dem Fährtenschuh getreten, gelegt. An den Start gingen der 7 Monate alte Teckelrüde Anton, die 9 Monate alte Teckelhündin Cilla sowie ein 7 Monate alter Hannoveraner Schweißhund.

Die Einstellung des jungen Hundes auf die Schweißfährte verlangt absolutes Fingerspritzengefühl des Führers. "So, wie Sie den Hund jetzt einstellen, so wird er sein ganzes Leben lang arbeiten", teilte uns Herr Borngräber eindringlich mit. Dazu gehört die tägliche Arbeit, egal, ob bei Regen oder Hitze. Für die Übungseinheiten empfiehlt Borngräber, entsprechende Vorbereitungen zu treffen. Die Einarbeitung sollte auf einer freien Wiese erfolgen, da hier der Führer die Fährte selbst sehen und den Hund genau beobachten und entsprechend korrigieren kann. Die Länge der Fährten sollte bei Beginn nicht mehr als 50 m betragen. Oberstes Gebot ist, dass der Führer nicht unter Zeitdruck steht und somit die Arbeit mit seinem Hund ruhig und besonnen angehen kann. Am Ende der Fährte sollte für das Erfolgserlebnis des Hundes, aber auch um ihn "zum Genossen" zu machen, nach Möglichkeit ein frisches Stück Wild liegen. Eine kurzfristig aufgetaute Decke oder Schwarte erfüllt aber auch diese Zwecke.

Das Seminar endete – für uns alle viel zu früh – am Sonntagmittag. Nach seiner Abschlussbesprechung, der Übergabe der Urkunden und des Pokals für den besten Hund verabschiedete sich Herr Borngräber mit uns zu Herzen gehenden Dankesworten und erinnerte uns noch einmal an das Gewissensregal des verantwortungsvollen und erfolgreichen Hundeführers. Seine Worte "Wenn ich auf ein Stück Wild schieße, gibt es keinen Kompromiss!“ werden wir nicht vergessen. Im Sinne des Tierschutzes und der Waidgerechtigkeit haben wir uns zum Ziel gesetzt, uns als Hundeführer weiter- und fortzubilden. Unsere "Staffel“ Hundeführerausbildung werden wir fortsetzen und schätzen uns glücklich, dass uns Herr Borngräber hierbei auch weiterhin unterstützt. Ein Anschuss-Seminar mit Wildmeister und Berufsjäger H.-J. Borngräber findet am 06. September 2008 statt. Nähere Informationen unter www.dtk-gruppe-olfen-sandfort.de .

Cornelia Linnert - Obfrau für Öffentlichkeitsarbeit
 

Alle Fotos: DTK-Gruppe Olfen-Sandfort
Bernhard u. Cornelia Linnert (DTK-Gruppe Olfen-Sandfort)
Udo Dreier (DTK-Gruppe Iserlohn)

Wir danken der DTK-Gruppe Olfen-Sandfort für die Erlaubnis zur Veröffentlichung des Berichts und der Fotos. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite der DTK-Gruppe Olfen-Sandfort.

 
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